Was tun, wenn Lieferengpässe zur langfristigen Herausforderung werden?

Wie lange müssen EMS-Anbieter noch mit unberechenbaren Verfügbarkeiten, Preisen und Lieferzeiten umgehen? Was nützt die potentiell gute Auftragslage, wenn Lieferengpässe bestehen bleiben?

Dr. Angelo Canzaniello
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Bereits in Q2 steht das Elektronik-Unwort des Jahres 2021 wohl fest - “Lieferengpass”. Die herrschende Pandemie stellt Unternehmen der gesamten Lieferkette vor große Herausforderungen. Darunter vor allem unvorhersehbare Schwankungen in Angebot und Nachfrage, Schwierigkeiten bei der Beschaffung zahlreicher Materialien und knappe Frachtkapazitäten.

Wie wird die Arbeit von EMS-Anbietern beeinflusst?

Für die Bearbeitung standardmäßiger Bestellungen müssen Sonderprozesse implementiert werden und viel häufiger müssen Alternativen für Bauteile gefunden und Bauteile neu angefragt werden, wenn die Suche nach versteckten Restbeständen erfolglos bleibt. Die geringe Planbarkeit trifft vor allem Anbieter von Electronic Manufacturing Services (EMS), da diese oft viele verschiedene Kunden mit unterschiedlichen Baugruppen haben und dadurch eine besonders hohe Anzahl an Bauteilen verwalten und bestellen müssen. Durch ständige und frühzeitige Absprachen mit Kunden und Distributoren und individuelle Lösungsfindung lässt sich eine größere Krise meist noch verhindern.

Sind Lieferengpässe eher ein strukturelles Problem?

Viele gehen davon aus, dass sich Verfügbarkeiten, Lieferzeiten und -kosten vergleichsweise schnell wieder normalisieren werden, sobald pandemiebedingte Einschränkungen aufgehoben werden. Doch es bleibt die Frage offen, inwiefern das auch die Lieferengpässe auflösen wird bzw. ein wie großer Anteil der Herausforderungen strukturell bedingt ist und damit einer langfristigen Lösung bedarf.

Schon vor Corona stieg der Konsum und die Nachfrage nach elektronischen Geräten und Systemen über verschiedene Branchen verteilt stetig an. Raphael Hrobarsch, European Regional & Automotive Sales Manager bei Diodes Zetex, sagt der Markt&Technik: »Aufgrund der gegenwärtigen Bedarfssituationen der verschiedenen Märkte sowie der Tatsache, dass 5G und speziell der Wandel im Automobilbereich hin zum Elektro-Auto erst so richtig begonnen haben, sehen wir keinen kurzzeitig erhöhten Bedarf, sondern Lieferengpässe, die weit über das Jahr 2021 hinausgehen könnten.«

Die globalen Lieferketten sind meist auf Effizienz getrimmt und »solange wir nicht zu dem Punkt kommen, dass die Komponenten auf Lager produziert werden können, werden wir mehr Flexibilität beim Supply-Chain-Management an den Tag legen müssen«, merkt Georg Steinberger, VP von Avnet und Vorsitzender des FBDi, schon 2018 bei elektroniknet.de an. 

Auch die Reaktionen der Politik lassen darauf schließen, dass das Thema Lieferengpässe als langfristige Erscheinung anzusehen ist. Die EU hat Pläne für den Aufbau eines robusten lokalen Halbleiter-Ökosystems bis 2030 angekündigt und auch die USA und China geben ähnliche Vorhaben an. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob und in welcher Form diese Pläne umgesetzt werden.

Reaktionsfähig trotz anhaltender Lieferengpässe

Um das bestehende Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Kapazität anzugehen reicht es nicht darauf zu warten, dass sich die Corona-Lage bessert oder neue Produktionsmöglichkeiten ausgebaut werden. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass Flexibilität in den eigenen Prozessen auch in Zukunft immer wichtiger wird.

LumiQuote Verfügbarkeit und Sourcing Alternativen
Beispiel: automatische Verfügbarkeits-Updates und Vergleich von Alternativen in LumiQuote

Schnelle und ständige Kommunikation zwischen Teams

Wenn verschiedene Abteilungen (vor allem Vertrieb, Einkauf und Produktion) innerhalb des eigenen Unternehmens jederzeit auf dem aktuellsten Stand sind, können mögliche Schwierigkeiten schneller erkannt und behoben werden. Auch zwischen Organisationen sollten Entwickler und Fertiger sofort mit Lieferanten und Distributoren in Kontakt treten, sobald Probleme in der Lieferkette erkennbar werden, um sie daraufhin mit Kunden besprechen und lösen zu können. Innovative Lösungen, wie LumiQuote, setzen deshalb bewusst auf die Cloud. Durch die zentrale Speicherung von Informationen und die Verteilung von Zugriffsrechten kann sowohl ortsunabhängig in Echtzeit am gleichen Dokument zusammengearbeitet werden als auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten von allen Berechtigten der aktuellste Status eingesehen werden.

Kontinuierliche Prüfung von Sourcing Alternativen

Verfügbarkeiten und unterschiedliche Bezugsquellen für bestimmte Komponenten oder Baugruppen gleichzeitig im Blick zu haben und zu vergleichen ist sowohl beim Erstbezug, als auch während des gesamten Produktlebenszyklus sinnvoll, um möglichst gute Entscheidungen zu treffen.  Da es allerdings extrem aufwendig ist, dies kontinuierlich manuell zu machen, fällt es häufig hinten runter. Wenn nicht von Beginn an Alternativen bestehen und plötzlich die einzige Bezugsquelle wegfällt oder in Lieferengpässe kommt, muss schnell eine duale oder multiple Sourcing Strategie umgesetzt werden können. Dabei helfen digitale Tools wie LumiQuote. Durch zahlreiche Anbindungen an Lieferanten können mehr alternative Bezugsquellen in weniger Zeit abgefragt, identifiziert und Lieferparameter verglichen werden. Sollte auch langfristig keine Bezugsquelle mehr verfügbar sein und die Komponente den “End of Life” Status erreicht haben, können smarte Tools automatisch Cross-Referenzen finden, also selbstständig auf Basis der Parameter der Komponente Alternativen finden.

Datenaustausch in Echtzeit

Änderungen von Verfügbarkeit und Lieferzeiten von Bauteilen sind jederzeit möglich, auch nachdem sie bereits ausgewählt wurden. Wenn schon bearbeitete BOMs digital verbunden bleiben, können sie kontinuierlich auf kritische Veränderungen der wichtigen Lieferparameter überprüft werden, damit frühzeitig gegengesteuert werden kann, wenn es notwendig wird. Diese Updates in Echtzeit können über APIs realisiert werden. Eine API (Application Programming Interface) ist ein Teil eines Programms, dessen Inhalt und Grenzen genau bestimmt sind, das anderen Programmen zur Benutzung bereitgestellt wird. Viele Lieferanten bieten einen Teil ihrer Programme als API an und ermöglichen Programmen wie LumiQuote damit, jederzeit automatisch auf bestimmte Informationen zuzugreifen und diese zu verwenden.

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